%@ Language=JavaScript %>
|
|
|
| Dr. med. Robert Stracke |
![]() |
Der Chef Dr. Robert Stracke (Jahrgang 1957) wuchs in Warburg in Westfalen auf. Zunächst studierte er Geschichte und Theologie. Dann studierte er Medizin und absolvierte später die Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. |
|
Es folgten Zusatzausbildungen
für Suchtmedizin, sowie Sozialmedizin und Rehabilitationswesen. Darüber
hinaus absolvierte er eine Ausbildung als Gestaltstherapeut.
Berufliche Stationen waren die AIDS-Beratungsstelle des Gesundheitsamtes in Hamburg-Eimsbüttel. Der Facharzt für Psychiatrie und Psychologe ist verheiratet und Vater zweier Söhne. Seine Hobbys: Joggen, Musik
hören (Weltmusik, Jazz, Rock, Klassik), Konzertbesuche aller Art (Hamburger
Fabrik, Musikhalle usw.), Theaterbesuche, Lesen (am liebsten Psychokrimis
und -thriller), Reportagen über Hirnforschung (sowohl lesen als auch sehen).
|
|
|
In dem Hansenbarg-Kurier No. 59, Februar 2002, erschien das Interview, welches Carlo Eggeling für den Hansenbarg-Kurier mit Doktor Stracke kurz nach dessen Dienstantritt (1. Februar 2002) im Fachkrankenhaus Hansenbarg führte, unter dem Titel: Bewährtes bewahren und Neues anpackenKlinikchef Dr. Stracke stellt seine Ideen vorCarlo Eggeling: Als Sie sich kürzlich hier im Hause Selbsthilfegruppen vorstellten, begannen Sie mit einem Kurzvortrag über Warburger Bier - ungewöhnlich in einer Suchtklinik, wo Patienten versuchen, vom Alkohol wegzukommen. Warum dieser Weg?
|
|
Dr. Stracke: Ich bin in der Gegend groß geworden. Es war typisch für deutsche Verhältnisse, das Bier hatte dort Kultcharakter, die Marke mit der man sich identifiziert und die reichlich konsumiert wird. Mir wurde später bewusst, dass dies bedenklich ist, denn die Grenzen sind fließend zwischen sogenanntem Konsum und krank-haftem Trinkmuster. Schnell ist einer drauf. In Deutschland kennt jeder jemanden, der alkoholkrank ist, im Bekanntenkreis, in der Familie. Mein Onkel beispielsweise war alkoholkrank. Mindestens drei Prozent der Bevölkerung haben dieses Problem. Darauf wollte ich aufmerksam machen.
|
|
Carlo Eggeling: Sie sind jetzt, wo wir dieses Gespräch führen, elf Tage im Amt. Was gefällt Ihnen am Hansenbarg?
|
|
Dr. Stracke: Da sind mehrere Dinge, wie zunächst die sehr professionelle Arbeit. In Mitarbeiterrunden werden kritische Situationen der Patienten auf hohem Niveau besprochen. Zudem gibt es ein breites Angebot an Indikativen Gruppen, wo es unter anderem um Themen wie Angst und Sucht geht. Jede Suchtkarriere verläuft individuell, die Betroffenen dürfen nicht mit dem Angebot der Klinik über einen Kamm geschoren werden. Die Kinderseminare sind etwas ganz Besonderes und selten im Suchthilfeangebot. Es ist gut, wenn Jungen und Mädchen hier die Möglichkeit haben, über die Sucht der Eltern und ihr Erleben sprechen zu können. Das Umfeld des Hansenbargs mitten im Wald und in der Heide ist schön. Sauna und Schwimmbad sind ein weiteres Plus. Die Klinik ist gut in Schuss.
|
|
Carlo Eggeling: Das kann man anders sehen. Alles, was mit der Freizeit der Patienten zu tun hat, führt im Wortsinn ein Schattendasein. Wer im Fernsehraum des Hansenhauses hockt, mutiert aufgrund der Finsternis und der Uraltmöbel zum Höhlenmenschen, der Raucherraum trägt den anheimelnden Titel Hölle, die Cafeteria erinnert an eine Spelunke. Meinen Sie nicht, dass man dringend etwas tun müsste?
|
|
Dr. Stracke: Erst einmal sehe ich das Positive. Man kann mit diesen Dingen arbeiten. Vorweg: Patienten tun eine Menge, um ihre gewohnte Atmosphäre wiederherzustellen, die auch Sicherheit gibt, weil Situationen mit Alkohol entspannend, beruhigend, kontaktfördernd gewirkt haben; Alkohol ist eben Schmieröl der Gesellschaft. In der Patientengruppe kann die Situation Cafeteria/-Spelunke aufgegriffen werden, man kann dies analysieren und therapeutisch bearbeiten, auf die Gefahren aufmerksam machen.
|
|
Carlo Eggeling: Ein heller, lichter Raum wäre schöner.
|
|
Dr. Stracke: Da sind wir bei der finanziellen Frage. Der Träger der Klinik gibt ein gedeckeltes Budget vor, LVA und BfA passen ihre Ausgaben allenfalls den gestiegenen Lebenshaltungskosten an. Wir müssen sehen, wo wir Mittel zunächst dringender brauchen. Müssen wir alte Rohre ersetzen, etwas am Reetdach reparieren, neue Maschinen für die Wäscherei anschaffen?
|
|
Carlo Eggeling: Sie hatten die LVA Anfang Februar zu Verhandlungen im Hause und sagten gerade, von dort ist kaum mehr Geld zu erwarten. Müssen Sie nicht neue Wege gehen? Stichwort Sponsoring.
|
|
Dr. Stracke: Firmen stehen bei der Förderung der Suchtkrankenhilfe nicht gerade Schlange. Tabak- und Alkoholkonzerne geben Werbegeld für die Formel 1 oder den Fußball. Spenden fließen eher an Kliniken, die sich beispielsweise um krebskranke Kinder kümmern. Worüber wir nachdenken können, wäre, Leistungen außerhalb des Hauses anzubieten. Also etwa Einnahmen für die Nutzung von Sporthalle und Sauna zu erzielen, das Geld dann für Projekte intern nutzen.
|
|
Carlo Eggeling: Kommen wir zum therapeutischen Konzept. Was gilt: „Weiter so“ oder setzen Sie auf Neues?
|
|
Dr. Stracke: Der Hansenbarg liegt wie gesagt sehr schön, aber auch eingeigelt in der Heide. Trotz seines guten Rufes könnte die Gefahr bestehen, dass er von der aktuellen Diskussion in der Suchtkrankenhilfe abgeschnitten wird. Ein Ziel ist es, Außenkontakte auszubauen, ich denke auch an mehr Fortbildungsseminare durch unser Team auf den Suchttherapietagen in Hamburg. Mehr Einzelgespräche, weniger Gruppensitzungen wäre ein weiterer Ansatz, um noch stärker an individuellen Problemen wie Angststörungen oder Depressionen zu arbeiten. Und: Suchttherapie muss individuelle Angebote für individuelle Therapieverläufe anbieten.
|
|
Carlo Eggeling: Klingt gut. Doch was heißt es praktisch?
|
|
Dr. Stracke: Wir haben mit der Therapeutischen Gemeinschaft in Jenfeld und unserer Suchtambulanz in Wandsbek Angebote in Hamburg. Was fehlt, ist eine Tagesklinik, in der Patienten von 8 bis 16 Uhr kommen und anschließend nach Hause gehen, am nächsten Morgen wiederkommen. Das können Sie natürlich nicht dem anbieten, der keinen Halt mehr hat. Aber wer berufliche und familiäre Bande hat, wer nicht droht, gleich wieder abzustürzen, für den wäre es etwas. Denkbar wäre dann auch, Leute nicht erst nach 16 Wochen, sondern 4 bis 6 Wochen früher aus der stationären Behandlung zu entlassen. Die Patienten könnten diese Zeit in der Tagesklinik verbringen. Sie erleben draußen mehr Belastungen, weil sie wieder in ihren Alltag zurückkehren, gehen an ihrer Stammkneipe oder dem Kiosk vorbei, haben die Familiensituation wieder. Aktuelle Probleme könnten gleich therapeutisch bewältigt werden. Klar ist aber, wir müssen dort mit Rückfällen rechnen und auch damit arbeiten. Der gesundheitspolitische Trend geht bundesweit zu Tageskliniken und dem Ausbau ambulanter Angebote. Dem muss sich der Hansenbarg stellen. Auch sollten wir den Kontakt zu niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern verbessern. Diese ärztlichen Kollegen haben am meisten mit Suchtkranken zu tun und erfahren im Studium am wenigsten darüber. In Hamburg leite ich für die Ärztekammer einen entsprechenden Fachkundekurs, mit der Ärztekammer Hannover laufen Gespräche.
|
|
Carlo Eggeling: Sie haben in Hamburg die erste Rauchersprechstunde angeschoben und halten Nikotin für hoch gefährlich und von Selbsthilfegruppen weitgehend unbeachtet. Wollen Sie in Sachen Rauchen auch am Hansenbarg aktiv werden?
|
|
Dr. Stracke: Ich möchte auf ein freiwilliges Angebot der Tabakentwöhnung setzen. 80 Prozent der Alkohol-Patienten sind schwer Tabakabhängig. Der Griff nach der Zigarette steigert sich beim Entzug noch. Wer möchte, bekommt in sechs Sitzungen à eineinhalb Stunden vermittelt, welche Funktionen Alkohol und Tabak haben und welche Bewältigungsstrategien es gibt. Wie gefährlich Rauchen ist, machen Zahlen klar: Rund 110.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland an den Folgen des Rauchens, rund 300 am Tag. Zum Vergleich: Wir beklagen jedes Jahr 30.000 bis 40.000 Alkoholtote.
|
|
Carlo Eggeling: Der Ende vergangenen Jahres verstorbene Dr. Lempke war Motor und Seele des Hansenbargs. Wirft er einen übergroßen Schatten?
|
|
Dr. Stracke: Nein, das erlebe ich für mich nicht so. Ich muss in keine riesengroßen Schuhe steigen und will es auch nicht. Ich hinterlasse eigene Spuren. Aber ich habe ihn als integeren Kollegen kennen- und schätzen gelernt. Ich habe Respekt im Umgang mit dem, was er aufgebaut hat. Doch es gibt einen langsamen Prozess, auch etwas zu ändern — nichts ist so beständig wie die Veränderung.
|
|
Carlo Eggeling: Ein Blick auf Ihre Biographie zeigt, Sie sind ein Mann, der sich neuen Herausforderungen stellt und dafür den Job wechselt. Wie lange bleiben Sie am Hansenbarg?
|
|
Dr. Stracke (lacht): Eigentlich gerne bis zum Ruhestand. Es macht mir Spaß, und es ist spannend hier.
|
|
Die Hansenbarg-Kurier-Redaktion wünscht Ihnen, Herr Dr. Stracke,
|
|
|
Text:
Hansenbarg-Kurier No. 59, Februar 2002 |
|
|
|
|
|
Copyright
© 2007 - 2009 [Hansenbarg für Alle]. Alle Rechte vorbehalten. |
|